Polizeichef Torsten Oestmann vor der Rotenburger Dienststelle

ROTENBURG. Als Freund offener und klarer Worte hat sich Polizeidirektor Torsten Oestmann als Leiter der Stader Polizeiinspektion einen Namen gemacht. Vor zwei Jahren wechselte er in gleicher Position in seine Heimatstadt Rotenburg. Dort kandidiert er jetzt als parteiloser Einzelbewerber für das Amt des Bürgermeisters.



 

Überrascht sei er gewesen, als er vor eineinhalb Jahren von Vertretern von SPD und Grünen gefragt wurde, ob er sich vorstellen könnte, als Bürgermeister zu kandidieren. Nach ein paar Tagen Innehalten und Rücksprache mit der Familie sagte Oestmann zu. „Ich empfinde das als persönliche Ehre“, bekennt der Polizeichef. Rotenburg mit seinen 22 000 Einwohnern ist Oestmanns Heimatstadt. Dort ist er aufgewachsen. Nach dem Abitur am Ratsgymnasium fuhr er in der Kreisstadt an der Wümme als junger Polizeibeamter Streife. Später war er Leiter der örtlichen Kriminalpolizei. Seit 1991 ist Oestmann verheiratet, er ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen.

Oestmann, Jahrgang 1964, hat sich früh für eine Karriere bei der Polizei entschieden. 1989 startete er das Studium zum gehobenen Dienst, 1999 das Studium zum Aufstieg in den höheren Dienst, 2001 übernahm er im Nebenamt die Aufgabe eines Lehrbeauftragten an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Oldenburg für das Fach Verwaltungs- und Polizeirecht. 2003 kam er als Leiter Einsatz zurück nach Rotenburg.

2009 wurde Oestmann Personalchef in der Personaldirektion Lüneburg. 2015 übernahm er die Leitung der Stader Polizeiinspektion, vier Jahre später wechselte er in die gleiche Position nach Rotenburg. „Das ist mein Traumjob“, hatte er anlässlich seines Wechsels gesagt.

Jetzt könnte er noch einmal einen neuen Traumjob finden. Wichtig ist Oestmann, parteipolitisch neutral zu sein. „Ich will frei bleiben“, betont er. Als Behördenleiter bringe er die Verwaltungserfahrung für die neue Aufgabe mit. Ob Haushalt, Personalführung oder Verkehrsplanung – viele Themen seien ihm bereits bekannt.

Mit Ständen in der Innenstadt und Hausbesuchen tritt er mit den Bürgern in Kontakt. „Das macht einfach Spaß“, sagt der Kandidat. Mit Politik-Kursen an den Rotenburger Schulen hat er diskutiert. „Die Arbeit mit jungen Menschen bedeutet mir sehr viel“, sagt Oestmann. Es müsse wieder Treffpunkte für junge Menschen geben. Nach der Wahl plant er regelmäßige Gesprächsrunden in den Schulen, um ein Format für die politische Beteiligung der Jugend zu erarbeiten.

Oestmann gilt als gerade und ehrlich und erwartet das auch von seinem Gegenüber: „Ich eiere nicht herum. Ich sage, was ich denke“, sagt er. Gleichwohl lasse er sich von dem Rat von Experten leiten und durchaus von Gegenargumenten überzeugen.

„Für mich sind die Menschen wichtig – das prägt auch meinen Führungsstil“, sagt der Polizeichef. Entscheidungen zügig treffen, die Betroffenen einbeziehen und ihnen die Hintergründe erklären – das sieht er als seine Aufgabe an. Die Bürger sollen mitgenommen werden, bevor Beschlüsse in Ausschuss- oder Ratssitzungen erfolgen. Die Verwaltung müsse sich „in allgemein verständlichem Deutsch“ präsentieren, betont der Bürgermeisterkandidat.

„Ich möchte die Wahl unbedingt gewinnen“, sagt Oestmann. „Das Kribbeln nimmt jetzt definitiv zu.“ Doch auch wenn es nicht klappt, werde er nicht als griesgrämiger Polizeichef seine Zeit bis zur Rente absitzen. Die Entscheidung, zur Polizei zu gehen, habe er nie bereut: „Ich würde es sofort wieder tun.“

Quelle: Stader Tageblatt

Foto: Daniel Beneke